Klima und Konsum

Konsum - Qualität zahlt sich aus

Jeder kann schon beim Einkaufen zum Klimaschutz beitragen. Erste Schritte: Nicht Masse, sondern Klasse kaufen. Langlebige, reparaturfreundliche Produkte sind in der Anschaffung häufig teurer, aber dafür meist auch haltbarer. Das zahlt sich auf Dauer aus – für dich und
für das Klima. Viel ist auch beim täglichen Einkauf möglich, z. B. bei Papier und Getränken.

  

  

Gemeinsam nutzen

Gemeinsam fällt es selbst für seltener genutzte Geräte leichter, Hochwertiges zu kaufen. Schließe dich mit deinen Nachbarn zusammen oder biete eine Kostenbeteiligung an.

Wäsche waschen: Mit sparsamer Gemeinschafts-Waschmaschine.

Gegen hohes Gras: Der Nachbarschafts-Rasenmäher kappt auch die Kosten.

Nutzen statt besitzen: Eine Satellitenanlage im Haus kann viele Fernseher versorgen.

Nähmaschine: Überlege bevor du dir ein neues Gerät anschaffen, ob du dich nicht gemeinsam mit Ihren Freunden oder Nachbarn eine Nähmaschine teilen kannst. Ähnlich wie Bohrmaschine, Rasenmäher und Co. Ist auch die Nähmaschine meist nicht täglich in Gebrauch. Und den netten Austausch über neue Nähideen gibt es gratis dazu!

  

Mehrweg

Die Klima-Nr. 1 unter den Getränkeverpackungen ist immer noch die Glas-Mehrwegflasche.

Frisch gefüllt: Mehrwegflaschen aus Glas werden bis zu 50 Mal befüllt und als Rohstoff zu 100% recycelt.

Klima-Bilanz: Einwegflaschen aus PET belasten das Klima doppelt so stark mit CO2 wie Glas-Mehrwegflaschen.

Achtung: Pfand bezahlen heißt nicht automatisch Mehrweg kaufen! Achte auf die Kennzeichnung der Flaschen.

  

Blumenerde

Klassische Blumenerde enthält häufig nährstoffarme Torfanteile. Jeder Kubikmeter Torf besteht bis zu 60 % aus Kohlenstoff und ist damit ein großer Kohlenstoffspeicher. Lebendige, wachsende Moore legen weltweit jährlich 150 bis 250 Mio. t CO2 in neu gebildeten Torfen fest. Wird Torf abgebaut und werden Moore entwässert, werden die Klimagase CO2 und Methan freigesetzt. Wird nur ein Hektar Niedermoor zu Ackerland, werden so viel klimarelevante Gase abgegeben, wie 19 Pkw durchschnittlich im Jahr verursachen.

Lieber ohne: Torffreie Blumenerde schützt Moore und Klima.

Übrigens: Kompost oder Rindenhumus enthalten viele Nährstoffe für Ihre Pflanzen.

  

Kleidung

Auch im Kleiderschrank ist Nachhaltigkeit möglich. Keine Sorge, du musst jetzt nicht jahrzehntelang aktuelle Hosen und Pullis auftragen. Probiere doch mal Folgendes:

Selber nähen: Nähe selbst! Damit wählst du die Stoffe in Eigenregie – möglichst bio und in Europa hergestellt. Und vermeidest Transportwege des fertigen Produkts. Das allein ist schon eine klimafreundliche Konsumentscheidung. Wenn du nicht nähen kannst, belege doch einen Kurs, zum Beispiel bei der Volkshochschule, beim Deutschen Hausfrauen-Bund, bei Pink Water (www.pink-water.de) oder Saum45 (www.saum45.de).

Aus alt wird neu: Du brauchst nicht unbedingt neuen Stoff zum Nähen. Mache aus einem alten Kleidungsstück ein neues, völlig anderes! Auch aus ausgemusterten Haushaltstextilien kann Kleidung werden. „Upcycling-Mode“ heißt das und liegt voll im Trend! Eine Gardine kann zum Kleid oder Rock werden, Bettwäsche zur Bluse, ein Sakko zum Rock. Bei DaWanda (www.dawanda.de) kann man tolle Beispiele sehen und bei Gefallen nachahmen oder auch kaufen.

Oma strickt: Stricken liegt wieder voll im Trend. Selbst im öffentlichen Raum werden Laternenmasten von anonymen Spendern umstrickt. Du willst nicht selbst die Nadeln klappern lassen, aber dir ist auch nicht wohl bei dem Gedanken, dass die Strickmode aus dem Laden womöglich von Kinderarbeitern in Bangladesch stammt? Du kannst stattdessen strickwütigen deutschen Seniorinnen etwas Gutes tun, denn die warten auf deine Aufträge! Schaue zum Beispiel auf „MyOma“ (www.myoma.de), was die Damen mit ihren Nadeln alles können.

Socken stopfen – gar nicht spießig: Sie sind „ganz unten“, gehen auf die Dauer aber ins Geld: Socken. Wer seine Neukäufe drastisch reduzieren und über die Jahre ordentlich Geld sparen möchte, sollte das gute alte Stopfen wiederbeleben – überhaupt nicht spießig, sondern wieder cool. Die Fäden über Kreuz miteinander zu verweben, ist nicht schwierig und kann eine nette Nebenbei-Beschäftigung sein, wenn im Fernsehen gerade nur Seichtes läuft. Eine Packung Garn kostet bloß ein paar Euro und reicht für viele Löcher! Ein kleiner, aber feiner Beitrag zum nachhaltigeren Kleiderkonsum.

Tauschpartys: Kleidung, die nicht mehr passt oder gefällt, aber eigentlich noch gut erhalten ist, ist viel zu schade, um ganz hinten im Schrank zu verschwinden oder in die Altkleidersammlung zu wandern. Lade doch einmal Freunde zur Klamotten-Tauschparty ein. Funktioniert übrigens besonders gut mit Kinder-Kleidung oder auch Spielzeug und Büchern.

Biobaumwolle: Die Herstellung von Baumwolle ist aufwändig. Biobaumwolle verbraucht viel weniger Energie und kommt ohne gesundheits- und umweltschädliche Pflanzenschutzmittel aus. Wird ein T-Shirt aus konventionell angebauter Baumwolle produziert, entstehen 6 bis 7 kg CO2. Das gleiche 180 g T-Shirt aus ökologisch angebauter Baumwolle verursacht nur 1 kg CO2.

Kleidung zum Second-Hand-Shop bringen: Wenn der Kleiderschrank zu platzen droht, ist es höchste Zeit, auszumisten und guterhaltene Stücke zum Second-Hand-Shop zu bringen. Am besten verabredet man sich mit einem guten Freund, damit man gar nicht erst Gefahr läuft, das Vorhaben zu verschieben. Second-Hand-Kleidung leistet einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit, da gegenüber einem Neukauf der Energieverbrauch und CO2-Ausstoß bei Anbau der Rohstoffe, Produktion und Transport wegfallen.

  

Naturkosmetik

Verbraucher werden heutzutage immer kritischer, und viele wollen sich nicht mehr Chemie auf Gesicht und Haare auftragen. In etlichen Produkten ist zudem Palmöl enthalten, dessen Gewinnung klimaschädlich ist, wenn für den Anbau der Palmen Regenwald weichen muss. Die Suche nach der richtigen Naturkosmetik ist mitunter gar nicht so leicht.

Viele Siegel: Wie bei Lebensmitteln findet sich auch bei Naturkosmetik eine Vielfalt an Siegeln. Dasjenige, das die höchsten Anforderungen stellt, ist Demeter. Weitere bekannte Siegel sind zum Beispiel BDIH, Natrue und Ecocert.

Verstecktes Palmöl: Palmöl ist einer der wichtigsten Rohstoffe der Welt, doch ist die Produktion nicht unproblematisch für Mensch, Umwelt und Klima. Für Palmöl-Plantagen werden tropische Wälder gerodet. Palmöl kann sich auch in Kosmetik hinter begriffen wie „Glyceryl Laurate“, „SodiumPalmate“, oder ElaeisGuineensis“, verstecken. Unser Tipp deshalb: Kaufen Sie möglichst Kosmetikprodukte ohne Palmöl.

Natur pur für trockenes Haar: Wer sehr trockenes Haar hat, gibt oft eine Menge Geld für Spülungen und Kuren aus, in denen künstliche Zutaten stecken. Eine günstige und garantiert natürliche Alternative ist Bio-Olivenöl, das man vor dem Waschen ins trockene Haar einmassiert und ein paar Minuten einwirken lässt. Danach wie gewohnt das Haar waschen.

Es muss nicht immer Shampoo sein: Ein Shampoo ohne Palmöl zu finden ist schwierig. Wie wäre es stattdessen mit Haarseife? Die gibt es von vielen kleinen Unternehmen, die über das Internet verkaufen. Sie listen ihre Inhaltsstoffe meist verständlich auf Deutsch auf.

Tierversuchsfreie Waren: Optimalerweise sollte Naturkosmetik nicht nur Bio, sondern auch tierversuchsfrei sein. Das erkennt man am Siegel des Häschens mit der schützenden Hand über seinem Kopf. Solche Waren stehen auf der Kosmetik-Positivliste des Deutschen Tierschutzbundes. Die darin aufgeführten Hersteller führen keine Tierversuche durch und verwenden nur Inhaltsstoffe, die seit 1979 nicht mehr im Tierversuch getestet wurden. Die Liste ist unter www.tierschutzbund.de erhältlich.

Mutter Natur spendet Farbe: Mit Pflanzenfarben assoziierte man lange Zeit nur karottiges Hennarot. Heutzutage gibt es aber viele andere Farbtöne. Manche Bio-Pflanzenfarben können sogar graues und weißes Haar abdecken. Meist handelt es sich um Pulver, das man zuhause anrührt. Das bedeutet etwas mehr Aufwand, aber man verzichtet auf die Chemiecocktails konventioneller Farben. Zudem werden Umwelt und Klima kaum belastet. Es gibt auch Friseure, die mit Pflanzenfarben arbeiten.

Vertrauen ist gut, selber machen ist besser: Kosmetik kann man auch selber machen – die beste Gewähr dafür, dass nur ausgesuchte, nachhaltig erzeugte Rohstoffe darin landen. Das schont Geldbeutel und Klima beträchtlich. Internet-Affine finden Dutzende von Rezepturen. Wer lieber in Büchern schmökert, kann zum Beispiel Petra Doleschaleks „Kosmetik selbstgemacht“ (Anaconda Verlag) oder „Die kreative Manufaktur“ von JinaikaJakuszeit und Miriam Dornemann (Frech Verlag) lesen.

  

Einrichten

Auf Qualität setzen – langlebige, hochwertige Möbel aus heimischen Hölzern schneiden in der Klimabilanz besonders gut ab. Sie bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen und speichern CO2. Auch bei der Entsorgung sind sie klimafreundlicher. Bei Polstermöbeln auf abnehmbare, strapazierfähige Bezüge achten.

Lieber Echtholz: Hochwertige Furnier- und Vollholzmöbel sind gut für’s Klima.

  

Bank

Manchmal ärgert man sich jahrelang über die Konditionen der Bank, bei der man sein Konto hat. Oft ist auch der Kundenservice jämmerlich, und man will schon seit langem wechseln. Wer eine Bank sucht, die für grüne und ethische Geldanlage steht, tut damit etwas für Menschen und Klimaschutz. Solche Kreditinistute investieren das Geld ihrer Kunden nämlich nur in Projekte, die nichts mit Umweltzerstörung und Ausbeutung zu tun haben.

  

Recycling-Papier

Jeder von uns verwendet durchschnittlich 250 kg Papier pro Jahr. Dies entspricht etwa einem Harry-Potter-Band pro Tag. Die Herstellung von Frischfaserpapier benötigt neben Holz – oft aus den letzten Urwäldern unseres Planeten in Nordeuropa, Kanada oder Indonesien – auch große Mengen an Wasser und Energie. (Für seine Aufbereitung wird nur rund ein Hundertstel des für die Neupapier-Produktion benötigten Wassers verbraucht.) Nutze lieber Recycling-Papier.

Diese Produkte bekommt man in vielen Geschäften mit dem „Blauen Engel“-Siegel (www.blauer-engel.de). Es kennzeichnet Produkte, die ganzheitlich betrachtet besonders umweltfreundlich sind. Empfehlenswert sind auch Waren mit dem FSC-Label (Forest Stewardship Council). Es steht für Holz- und Zellstoffprodukte, die aus umweltfreundlicher, sozialförderlicher und ökonomisch tragfähiger Bewirtschaftung von Wäldern stammen.

Schonende Hygiene: Für Wegwerfprodukte wie Taschentücher, Küchenkrepp und Toilettenpapier immer Recyclingpapier wählen.

Bilanz: Durch Recycling-Papier kann man etwa 40 kg CO2 im Jahr einsparen.

Drucken: Verwende die Rückseite von einseitig bedruckten / beschriebenen Blättern immer als Schmierpapier für Drucker und Handschriftliches.

  

Bücher

Sich einen Bibliotheksausweis zulegen: Kunde der Stadtbibliothek zu werden, hat zig Vorteile. Man kann Buch-Fehlkäufe vermeiden, indem man Werke, die derzeit im Gespräch sind, ausleiht und „testliest“. Gefällt einem das Buch, weiß man, dass ein Kauf sich wirklich lohnt. Zudem kann man es sich leisten, Bücher nur querzulesen, was bei einem gekauften Exemplar für schlechtes Gewissen sorgen würde. Ein Ausweis gibt auch Zugang zu tausenden ausleihbarer DVDs und Blurays. Durch die vielen Benutzungszyklen, die Bibliotheksstücke durchlaufen, leisten sie einen enormen Beitrag zur Einsparung von CO2-Emissionen.

  

Sauber Machen

Essig und Soda
„Eines für vieles“ ist ein super Motto zum Putzen. Zwei solcher Alleskönner sind Waschsoda und Essigessenz, je für nur rund 1 Euro zu haben. Soda rührt man mit warmem Wasser zur Lauge an und reinigt damit das ganze Bad. Die Essigessenz, in Wasser verdünnt, entkalkt super und eignet sich zum Säubern von Spiegel und Fenstern. Auch Böden lassen sich damit reinigen, und sie taugt zum Auswischen des Kühlschranks. Vor der Anwendung kurz testen, ob der zu reinigende Bereich Essig und Soda gut verträgt, Gummidichtungen mögen beispielsweise Essig nicht so gern.

Spiritus
Die Armaturen im Bad werden mit Spiritus glänzend und sauber!

Zitrone
Zitronensäure ist ein weiteres Hausmittel aus Omas Zeiten. Sie entkalkt gut
und wird auch zur Fleckenentfernung bei der Wäsche verwendet.

Backpulver
Backpulver eignet sich unter anderem dafür, um Verfärbungen in Toiletten
und angebrannten Töpfen zuleibe zu rücken.

Zeitungspapier und Spültuch
In vielen Haushalten zu finden, aber meist eine überflüssige Ausgabe sind
Küchenrollen. Ersetzen kann man sie durch Mikrofasertücher und Spültücher, die sich beide kochen und damit lange weiterverwenden lassen.
Wer seine Fenster mit oben genannter Essigessenz putzt, kann sie statt mit
Haushaltsrolle mit Zeitungspapier streifenfrei bekommen.

Kaisernatron
Auch wenn die Werbung anderes behauptet: Dreckige Fugen im Bad
bekommt man auch ohne teuren klimaschädlichen Spezialreiniger aus der
Sprühflasche sauber. Schlämmkreide und Kaisernatron sind altbekannte und
bewährte Hausmittel.

Ratgeber für Zuhause
Sie wollen Lesestoff? Es gibt etliche Ratgeberbücher, zum Beispiel „Die
besten Haushaltstipps aus Omas Zeiten“ von Lea Hoy (ISBN 3817484224)
und „Omas beste Haushaltstipps“ von Manuela Düsseldorfer (ISBN
3809421499).